Category: Entrepreneurship

  • Viele, viele VC Deals in Deutschland könnten ungültig sein

    Mein Kollege Christian hat eine Übersicht zur Problematik der deutschen Fusionskontrolle bei VC-Deals.

    As hardly any VC deal has been sent to the competition authorities for approval most of the big done deals are null and void. Hence, under German law the VC never became the owner of the shares. The shareholder agreement is just as null and void as the transfer or issuance of new shares to the VC.  In return the VC can only require the target to re-transfer his investment. Good luck with that. Or to put it in other words: Violating the ARC can lead more often than not to a complete write-off of the investment.

    via Mus’ musings on M&A, PE, VC and the law » German Merger Control hits VC Industry.

    Ich bin kein Anwalt, aber so wie er es mir erzählt hat, müssten einige Firmen sich das mal ansehen.

  • Schnelle Finanzierungsrunden und Gründer vs. VCs

    Eine schnelle Finanzierungsrunde ist möglich

    Heute habe ich einen Anruf von einem befreundeten Gründer bekommen, der für sein neues Startup einen Vorvertrag (Term Sheet) von einem Investor angeboten bekommen hat. Es ging um einige inhaltliche Themen, die relativ einfach zu klären waren, aber mir ist eine Besonderheit aufgefallen: Der Notartermin war sehr zügig angesetzt, so dass dem Gründer nicht viel Zeit blieb, sich noch großartig nach anderen Investoren, ausführlichem Rat oder Verhandlungsmasse umsehen konnte.

    Aus meiner Sicht ein schlauer Schachzug der Investoren: so bleibt ein langes Verhandeln und das “Term Sheet Shopping” (sie Suche nach besseren Angeboten, die man Gründern gerne empfiehlt) außen vor, gleichzeitig werden Grundzüge der Zusammenarbeit und Erwartungen frühzeitig etabliert: Es geht um schnelle Entscheidungen, Exekution unter Stress und die Fähigkeit, hierbei den Kopf zu behalten. Da die Terms, in welche ich Einsicht hatte, human und auch in einer angenehmen Sprache formuliert waren (klare Verträge – klare Erwartungen), kann ich zum Angebot gratulieren und hoffe, dass sich eine tolle Firma entwickelt.

    Unterschiedliche Interessen von Gründern und Investoren

    Gründer und Investoren haben in solchen Situationen oftmals unterschiedliche Motivationen. Gründer wollen die Runde so schnell wie möglich schließen, um sich wieder dem operativen Geschäft zu widmen. Wenn sich damit die vorgestellten Terms (Bewertung und Summe der Finanzierung) bedienen lassen, ist alles gut. Wenn die Vorstellungen auseinander gehen, versuchen Gründer selbstverständlich, konkurrierende Angebote einzuholen, um den Wert zu heben. Wenn sich hingegen ein Bieterkampf entwickelt, lässt sich möglicherweise der Preis nach oben treiben und gleichzeitig eine schnelle Runde realisieren, so etwas habe ich allerdings (vor allem im early stage Bereich) noch nicht oft erlebt.

    Investoren wollen schnell unterschreiben, wenn die Konditionen gut sind (ergo schlechter für die Gründer). Daher war die Nachfrage sicherlich angebracht. Hinzu kommt, wie im beschriebenen Fall, oftmals auch eine Ablehnung gegenüber langen Prozessen und Bürokratie. Das finde ich persönlich sehr angenehm und gerade in der Seedphase vernünftig. Wenn die Firma sich schon etwas weiter entwickelt hat, kommt es für die Investoren allerdings auf andere Faktoren an, als vor oder kurz nach der Gründung. Die Persönlichkeit der Gründer spielt noch immer eine große Rolle, der Erfolg der Firma ist jedoch schon besser zu messen. Da sich diese Entwicklung am besten über Zeit beobachten lässt, möchten Investoren in solch einem Fall gerne ein paar Wochen oder gar Monate zuschauen, wie sich die Versprechen der Gründer halten lassen.

    Schick mir doch mal deinen Businessplan

    Das ist auch der Grund dafür, warum Investoren Gründer nach ihrem Businessplan fragen, dann aber doch ganz schnell absagen, weil die Idee oder Firmenphase noch “zu früh” sind. Das Angebot, in Kontakt zur Entwicklung zu bleiben, ist dann keine leere Phrase, sondern Teil des beschriebenen Prozesses: wenn sich alles gut entwickelt, können auch größere Investoren schnell und klar zur Zusage und dem Abschluss der Runde kommen. Das Beobachten ist dann vor den “offiziellen” Prozess gerutscht, und der Investor hat bereits eine gute Einsicht in die Firma und möglicherweise regen Kontakt zum Gründer. Hier kommt es oft zu Missverständnissen auf beiden Seiten: Gründer verstehen die Nachfrage als leere Geste (“der hat meinen Plan noch nicht mal gelesen”) und melden sich nicht mehr zum Fortschritt, Investoren sind auf vielen Fronten beschäftigt und kommunizieren dieses Vorgehen manchmal nicht ganz klar.

    Gründer vs. VCs? Nein.

    Zum Glück sind Gründer und Investoren oftmals Early Adopter und an der vordersten Grenze neuer Entwicklungen unterwegs. Im konkreten Fall bedeutet das, das sowohl Gründer als auch die Venture Capitalists Ihre Meinung oft und gerne in all den schönen neuen Medien zum besten geben. So wird die “Black Box” VC ein wenig entschärft und beide Seiten können sich klarer verständigen und die jeweiligen Gedankengänge verstehen. Da ich nicht der erste bin, der diese Debatte anstößt, hier eine kurze Übersicht zu Blogs und Artikeln, die Gründern eine bessere Einsicht ins Thema gewähren:

    • Fred Wilson: unter aVC.com bloggt Fred Wilson sehr viel und sehr offen über seine Tätigkeit als VC bei Union Square Ventures (Investments z.B. in Tumblr und Twitter und wirklich allen heißen Social Media Themen). Das meistgelesene und ehrlichste VC-Blog, das vielen anderen als Vorbild dient.
    • Fred Destin: der europäische Fred, der für Atlas Venture in Boston investiert. Seine Beiträge sind seltener, dafür sehr viel tiefgängiger, sein letzter Post über die momentane Situation der VC-Szene ist absolut lesenswert. Destin hatte vor einiger Zeit eine ausführliche Auseinandersetzung zum Thema Gründer gegen VCs auf Techcrunch diskutiert.
    • Ask The VC wird von Brad Feld und Jason Meldelson geschrieben (Brad Feld’s Blog ist auch empfehlenswert). Beide haben die Foundry Group gegründet, ein VC-Fonds, der eine interessante Investmentthese hat. Wie der Name verrät, werden bei Ask The VC Fragen zu Venture Capital und Startups beantwortet.
    • Paul Jozefak bloggt sehr offen und ohne Umschweife über seine Investmentthesen und generelle Fragen zu Startups. Empfehlenswert, da einer der wenigen wirklich aktiv bloggenden VCs in Deutschland.
    • Venture Hacks hat “good advice for startups”. Nuff said.
    • Rechtliche Hinweise in Deutschland haben zum Beispiel mein Kollege Christian Musfeldt (VC Recht für beide Seiten) und Rechtsanwalt Konstantin Ewald (Spielerecht) von Osborne Clarke. Beide noch recht frisch, aber beide mit hochinteressanten Themen, die noch viele Möglichkeiten zum Verständnis bieten. Leser motivieren zum Schreiben, also beide abonnieren!

    EDIT: Zu diesem Thema hat mich meine Ex-Kollegin Jana (am Lehrstuhl für Entrepreneurship und Technologie-Kommerzialisierung) motiviert, die auf den Artikel “why VCs are such a bad date” hingewiesen hat. Danke dafür.

    Stefan Voskoetter hat auch noch auf das wundervolle Blog “Both sides of the table” von Mark Suster hingewiesen. In der Seitenleist findet Ihr noch weitere interessante Blogs, die sich mit den Themen VC und Tech beschäftigen.

  • Portfolio-Theorie mal anders

    This exchange fund was created to allow First Round Capital entrepreneurs to contribute a small piece of the stock they own in their company  — and share in the upside of all the other companies.

    via Redeye VC: Sharing and Exchanging….

    Eine tolle Idee, um das eigene Portfolio zu stärken und die Gründer untereinander zu vernetzen. Durch ein einfaches opt-in System (es machen nur die mit, die wollen) sind viele Probleme direkt geklärt.

    Eckpunkte sind natürlich Bewertung, Abwicklung, Steuern, etc., aber diese Themen lassen sich bei beinahe 70 Firmen wohl als Transaktionskosten verbuchen. First Round war übrigens auch die VC-Gesellschaft mit dem coolen Weihnachtsvideo.

  • Heavy User sind die beste Vorhersage

    Ein würdiges Zitat zum Jahresanfang:

    Amazon and the Kindle have killed the bookstore. Why? Because people who buy 100 or 300 books a year are gone forever. The typical American buys just one book a year for pleasure. Those people are meaningless to a bookstore. It’s the heavy users that matter, and now officially, as 2009 ends, they have abandoned the bookstore. It’s over.

    When law firms started switching to fax machines, Fedex realized that the cash cow part of their business (100 or 1000 or more envelopes per firm per day) was over and switched fast to packages. Good for them.

    via Seth’s Blog: It’s not the rats you need to worry about.

    Es geht hierbei natürlich darum, wie wichtig die Heavy User für ein Geschäftsmodell an sich sind. Bei vielen Modellen sind sie diejenigen, die gleichzeitig unnatürlich hohe Kosten verursachen. Wenn also per Abo oder Flatrate abgerechnet wird, ist ein Paradigmenwechsel nicht ganz so dramatisch wie bei Volumenmodellen.

    Ein gutes Beispiel ist im TK-Bereich zu finden: große Firmen bauen um auf VOIP-Anlagen, um Telefonkosten zu sparen. Bei kleineren Firmen sind die Telefonkosten insgesamt zu vernachlässigen, in größeren Konzernen sieht das anders aus. Die Telefongesellschaften verlieren ihre besten Kunden (Großer Kunde = wenig Aufwand, hoher Umsatz) und müssen schließlich selber die Preise senken bzw. Alternativen anbieten.

    Die Telefonpreise sind unten und mittlerweile fast vollkommen auf Flatrates umgestellt. Bei den niedrigen Minutenpreisen ist es für die Anbieter meist günstiger, ein ordentliches Dauerschuldverhältnis aufzubauen, als sich einen Preiskampf im Detail zu leisten.

    Eine kleine Vorhersage für 2010: das Festnetz wird noch unwichtiger, VOIP kommt auf Smartphones und Datenflatrates werden als Alternative zum DSL-Anschluss noch interessanter. Early Adopter haben es vorgemacht, die Masse wird ebenfalls in diese Richtung gehen (Ausnahmen 100mBit DSL, Heimkino, etc.).
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    Sonst so? Werde ich öfters mal Zitate bloggen und meine Meinung dazu sagen. Meine Shared Items (–>) liest nämlich eh keiner. Da ich mich von Buchstaben ernähre, macht das Ergebnis vielleicht sogar was her.

  • Ideen zur Internetstadt Köln

    Am Donnerstag findet in Köln die Auftaktveranstaltung zu der Initiative “Internethauptstadt Köln” statt. Leider kann ich nicht teilnehmen – ich habe aber Valentina (die Moderatorin der Veranstaltung) versprochen, meine Gedanken dazu aufzuschreiben, hier also meine 2 Cent zur “IHSK”. Meiner Meinung nach ist für eine Internetstadt neben der Förderung und Ansiedlung von größeren Unternehmen der Branche vor allen Dingen die Unterstützung von kleinen Firmen essentiell, um ernst genommen zu werden. Auf der Website werden unter Anderem die unten stehenden Punkte aufgegriffen, die ich kurz kommentieren möchte.

    Bereitstellung von Infrastruktur und Büroräumen

    Der wahrscheinlich offensichtlichste Punkt. Ein gemeinschaftliches Bürohaus oder eine Bürogemeinschaft ist für kleine Firmen eine gute Möglichkeit, Kosten niedrig zu halten und in einer Atmosphäre zu arbeiten, die Zusammenarbeit und Austausch fördert. Startup-Parks und offene Bürogemeinschaften sollten ausserdem Infrastruktur anbieten, die sonst nur schwer oder teuer verfügbar ist: Server (-Räume), TK-Anlagen, Internetanbindung und Gebäudeservice. Wichtig ist hier nicht nur die Ansiedlung an sich, sondern vor allem das Mischen von verschiedenen Firmen aller Größen, um einen bestmöglichen Austausch zu schaffen. Auch Freiberufler und Andere sollten die Möglichkeit haben, an diesem Austausch teilzunehmen – Steueberater, Hardwareanbieter und Reperaturservices fallen mir hier ein. Die Räumlichkeiten sollten dabei natürlich interessant genug sein, um diese Firmen wirklich anzuziehen. De Kostenaufwand hielte sich möglicherweise in Grenzen, vor allem im Vergleich zu weitreichenden Programmen, die der Ansiedlung von Großunternehmen dienen. Zusätzlich sollten kleine Firmen Unterstützung bei Angeboten wie Job-Tickets und ähnlichem bekommen, um ihren Mitarbeitern ähnlich gute Voraussetzungen bieten zu können wie große “Konkurrenten” auf dem Arbeitgebermarkt.

    Veranstaltungen und offener Austausch

    Der Austausch zwischen Startups und Freiberuflern funktioniert schon heute sehr gut auf informellen Treffen. In einer Bürogemeinschaft ist das einfach zu unterstützen. Weiterhin kann Startups eine weitreichende Plattform gegeben werden, wenn die Stadt sowohl intern als auch öffentlichkeitswirksam auf solche Treffen hinweist und sie fördert. Teilnahme von “großen Namen” bewirken hier oft ohne großen finanziellen Aufwand schon für rege Teilnahme.

    Ein offener Kanal zur Politik, die idealerweise auf Forderungen und Ideen aus der Startup-Community hört, wäre genial. Nicht nur für Internetunternehmen würde somit geholfen – Änderungen z.B. in der Bürokratie können viel besser von oben bewirkt werden.

    Öffentlichkeitswirksame Projekte

    Hier fallen mir eine Menge einfacher Dinge ein, die die Stadt von außen direkt innovativ erscheinen lassen. Die Strahlkraft solcher kleinen Projekte sollte nicht unterschätzt werden.

    • Stadtweites WLAN (Steht wohl schon auf der Liste. Ist zwar mit vielen Hürden verbunden, wirkt aber super) in Kooperation z.B. mit Netcologne
    • Erweitertes Online-Angebot der Stadt (hier ist Köln zwar schon innovativ, siehe Polizei Online, KVB, Stadtwerke, könnte aber sicher noch verbessert werden)
    • Unterstützung von Bike- und Carsharing Projekten sowie anderen “grünen Innovationen”
    • iPhone App zum Finden von Parkplätzen, Müllcontainern und zum Markieren von Straßenproblemen (tolle Geschäftsidee)
    • Verlagerung der politischen Teilnahme ins Web, so zum Beispiel Live-Übertragungen von Ratssitzungen, Diskussionen, Ideenfindung und Petitionen per Internet

    Insgesamt bin ich gespannt, was am Donnerstag so alles besprochen wird. Ein interessantes Projekt für alle Teilnehmer ist das “smarter cities” Blog von IBM, von dem ich hier einige Ideen geklaut habe. Sehr zu empfehlen.

    Achja: Liebe Berliner, wir wissen auch, dass Ihr euch um so etwas keine Gedanken zu machen braucht. Noch nicht. 🙂

  • Meine Timing-Theorie zur Deutschen Startupszene

    Ich habe eine persönliche Theorie zu der momentanen Problematik in Sachen “nicht genügend innovative Ideen und Startups”. Diese rührt vor allen Dingen von meiner Erfahrung im Job, allerdings ist auch ziemlich viel einfache Logik dabei. Meiner Meinung nach gibt es drei hauptsächliche Gründe, die für die momentane Lage verantwortlich sind.

    Finanzkrise und stotternde Modelle aus 2007 & 2008

    Nachdem die Deutsche Startup-Szenerie sich in den Jahren 2006 und 2007 spürbar entwickelt hat, sind in 2008 weniger aggressive Neuentwicklungen gekommen. Schon die erste Abflachung beziehungsweise Ernüchterung bei werbefinanzierten Modellen war bezeichnend. Nachdem StudiVZ mit dem Exit an Holtzbrinck das erste “2.0” Vorbild geliefert hat, waren sowohl Kapital als auch Ideen und eine gesunde Aufbruchstimmung vorhanden. Die Gründer, die in den Jahren 2006 bis 2008 Erfolgsgeschichten verkaufen konnten, haben sich massiv als Business Angel betätigt und so eine ideale Grundvoraussetzung für eine Szene in Deutschland geschaffen. Leider haben sich viele dieser Investments in 2008 ohne die passende Anschlussfinanzierung wiedergefunden (trotz HTGF und neuen VC-Fonds, wie nicht zuletzt meinem Arbeitgeber DuMont Venture). Der Grund dafür lag wohl vor allen Dingen an den weniger nachhaltigen Geschäftsmodellen, die (zugegebenermaßen wie die Vorbilder in D und USA) zu einem großen Teil auf Werbung gesetzt haben. Zusätzlich haben sich viele der Startups nicht so weit entwickeln können, dass Investoren und potentielle Käufer Schlange standen.

    Die Werbe- und Finanzkrise ab Ende 2008 hat ihr übriges zu den Problemen dieser Firmen beigetragen. Dass in Deutschland nicht mehr Firmen in die Insolvenz gegangen sind, ist eigentlich schon fast ein Wunder. Was man allerdings seit Ende 2008 schmerzhaft mit ansehen musste, war eine extreme Sparpolitik in den einzelnen Startups, die viele Gründer ausgelaugt und gestresst hat. Investoren haben sich zu einem großen Teil auf das eigene Portfolio konzentriert, was in einer solchen Situation auch Sinn macht. Wahrscheinlich hätte bei manchen Firmen ein beherzter Schritt zum Amtsgericht Sinn gemacht, das ist jedoch für keinen Beteiligten einfach.

    Strukturell bedingte Inflexibilität bei Startups

    Direkt im Anschluss an die ersten Schocks der Finanzkrise war eigentlich allen klar, dass die Modelle aus den vorherigen Jahren nicht weiter funktionieren konnten. Ein extremer Innovationsschub aus den USA war schon im Laufe des Jahres 2008 ersichtlich, so haben vor allen Dingen die gut finanzierten Schwergewichte Facebook und Google ein Feuerwerk an Services und Neuentwicklungen gezeigt (Open Social und Facebook Connect, Android & iPhone Apps, Wave, etc.pp.). Das neu aufgekommene Real Time Web um Twitter und Co sowie die neuen journalistischen Modelle wie die Huffington Post wurden durch die Präsidentschaftswahl und die resultierende Aufmerksamkeit sehr stark gefördert. Es geht schließlich immer noch um Eyeballs.

    Um so schwerer taten sich die schwach finanzierten Firmen im Deutschen Markt, neue Entwicklungen konsequent umzusetzen oder gar auf den Weg zu bringen. Startups haben per Definition nicht viele Ressourcen, durch das aufklaffende Loch auf der Finanzierungsseite hat sich diese Situation nur noch verschlimmert. Die Vorsicht der Investoren im eigenen Portfolio hat mutige Schritte in neue Geschäftsfelder nicht erlaubt, was meiner Meinung nach auch niemandem übel genommen werden kann. Wie bereits erwähnt ging es hier auch und vor Allem um Schadensbegrenzung.

    Verschiebung des Fokus auf spätere Phasen und sichere Geschäftsmodelle

    Die noch in 2006 und 2007 sehr aktiven Business Angels haben sich im Laufe der folgenden Jahre entweder fast komplett vom Markt zurückgezogen oder sich auf das bestehende Portfolio oder Eigenentwicklungen konzentriert. So haben sich mehrere potente Netzwerke entwickelt, die mittlerweile aus der Finanzierungsszene nicht wegzudenken sind. Der Fokus liegt dabei auf sicheren Geschäftsmodellen, die wiederum eine Lücke am Markt geschickt ausnutzen: der Handel wird ins Internet verlegt, die klassischen Anbieter haben wegen der Finanzkrise jedoch oft weder Zeit noch Kapital, um sich den neuen Märkten zu widmen. Da es wiederum wenige selbst oder privat finanzierte Startups gibt, haben Investoren die Möglichkeit, erfolgreiche Modelle auf große Märkte zu legen, die online bisher vernachlässigt wurden. Eine bestehende Infrastruktur mit erprobten Technologien, Strategien und Teams ist somit in der Lage, schnell verschiedene Nischen abzudecken.

    Die Finanzierungsseite ist dabei auch klar positioniert: der Fokus von VC-Gesellschaften liegt auf Modellen, die bereits die ersten Schritte hinter sich haben und eine positive Marktreaktion bekommen (ein toller Post von Andrew Chen zum Thema Risiko). Eine solche Infrastruktur und die generische Natur der Angebote macht die eCommerce Modelle somit zu einem reinen Execution-Thema – auf dieser Seite haben sich die Inkubatoren bestens bewährt (Jochen Krisch und Joel Kaczmarek schreiben dazu treffende Analysen).

    Fazit: jetzt geht es wieder los

    Ich bin mir sicher, dass es 2010 wieder einige hochinteressante Modelle zu sehen geben wird. Viele Teams haben sich in diesem Jahr zusammen gefunden und trotz der widrigen Situation die ersten Entwicklungen hinter sich gebracht. Ein Startup von der Idee zur Gründung oder gar zum Produkt zu bringen, ist bedeutend langwieriger, als man erwarten mag. Wo in vergangenen Jahren Business Angels die Grundlage geschaffen haben, um erste Schritte zu probieren, haben sich in diesem Jahr viele gute Dinge entwickelt – oftmals Abends, an Wochenenden oder aus bestehenden Firmen heraus. Die Gründer dieser Firmen können jetzt schon erste Produkte aufweisen, haben teilweise bereits Umsätze oder konnten Modelle entwickeln, die vorerst ohne externe Finanzierung auskommen. So zeigt sich ein weitaus gesünder und organischer gewachsenes Bild an Firmen, die in den kommenden Jahren die Früchte Ihrer harten Arbeit ernten werden. Investoren haben wieder interessante Optionen und auch Blogger haben endlich nicht mehr ganz so viel über die langweilige Deutsche Szene zu klagen.

    Auch die Firmen, die in den letzten Jahren beachtliche Erfolgsgeschichten aufbauen konnten, werden von diesen Entwicklungen profitieren. Wer es in den harten Zeiten geschafft hat, eine loyale Kundenbasis zu akquirieren, Finanzierungen abzuschließen und eine sparsame Organisation aufzubauen, der wird es in einem hoffentlich angenehmeren wirtschaftlichen Umfeld auch zu neuen Höhen schaffen. Denn auch diese Firmen gibt es zuhauf in Deutschland. Das sollte man trotz allen traurigen Nachrichten nicht vergessen.

  • Kinder verstehen heißt Menschen verstehen

    Copyright Christian Wyglendowski, shoptalk.com
    Tree House, Copyright Christian Wyglendowski, shoptalk.com

    Ich bin ein ziemlicher Kindskopf, aber das finde ich ganz gut so. Ich probiere gerne aus, spiele rum und bin unheilbar neugierig. Heute Abend habe ich zwei Artikel gefunden, die mir viel Freude beim Lesen bereitet haben, gleichzeitig aber auch interessante Einsichten zu Themen haben, die man nicht erwarten würde.

    Shoptalk ist ein Gruppenchat für Teams, der sich auf das Wesentliche beschränkt. Die Entwickler folgen klar der “minimum viable product” Regel, nach welcher die einfachste Version eines Produktes ausreicht, um an den Markt zu gehen. Auf dem Blog beschreibt ein Gründer, wie er beim Bau eines Baumhauses für seine Kinder diese Regel vergessen hat und somit an den Bedürfnissen seiner “Kunden” vorbei gearbeitet hat (the minimum viable tree house):

    All of us were pumped up about the project at the start. Kids and adults alike sat around drawing up sketches of what it should look like and talked excitedly about what we’d add to it down the road [0]. After construction started though, it just took too long to get it to a point where they could play in it. The excitement wore off as the weeks wore on.

    Das Baumhaus ist trotzdem ein ziemlicher Knaller.

    Eine weitere Anektdote habe ich auf dem Online Marketing Blog Copyblogger gefunden (What My Five-Year-Old Son Taught Me About Marketing):

    I have this experiment I keep meaning to try: I want to tell Austin that McDonald’s serves food, because I think he may be surprised to learn it. We don’t go to McDonald’s for the food. We go for the Batmobile that fires a small plastic stick at the back of my head while I’m driving.

    Offensichtlich hat der Sohn des Autors kein Interesse an Cheeseburgern (wie auch immer das passieren kann). Sehr wohl spricht ihn aber das Spielzeug an, das zum Burger gereicht wird. Smartes Marketing von MD, denn die Kids sollen nur an die Marke herangeführt werden, an Weißbrot und Scheiblettenkäse gewöhnen sie sich dann schon.