Month: February 2010

  • Schnelle Finanzierungsrunden und Gründer vs. VCs

    Eine schnelle Finanzierungsrunde ist möglich

    Heute habe ich einen Anruf von einem befreundeten Gründer bekommen, der für sein neues Startup einen Vorvertrag (Term Sheet) von einem Investor angeboten bekommen hat. Es ging um einige inhaltliche Themen, die relativ einfach zu klären waren, aber mir ist eine Besonderheit aufgefallen: Der Notartermin war sehr zügig angesetzt, so dass dem Gründer nicht viel Zeit blieb, sich noch großartig nach anderen Investoren, ausführlichem Rat oder Verhandlungsmasse umsehen konnte.

    Aus meiner Sicht ein schlauer Schachzug der Investoren: so bleibt ein langes Verhandeln und das “Term Sheet Shopping” (sie Suche nach besseren Angeboten, die man Gründern gerne empfiehlt) außen vor, gleichzeitig werden Grundzüge der Zusammenarbeit und Erwartungen frühzeitig etabliert: Es geht um schnelle Entscheidungen, Exekution unter Stress und die Fähigkeit, hierbei den Kopf zu behalten. Da die Terms, in welche ich Einsicht hatte, human und auch in einer angenehmen Sprache formuliert waren (klare Verträge – klare Erwartungen), kann ich zum Angebot gratulieren und hoffe, dass sich eine tolle Firma entwickelt.

    Unterschiedliche Interessen von Gründern und Investoren

    Gründer und Investoren haben in solchen Situationen oftmals unterschiedliche Motivationen. Gründer wollen die Runde so schnell wie möglich schließen, um sich wieder dem operativen Geschäft zu widmen. Wenn sich damit die vorgestellten Terms (Bewertung und Summe der Finanzierung) bedienen lassen, ist alles gut. Wenn die Vorstellungen auseinander gehen, versuchen Gründer selbstverständlich, konkurrierende Angebote einzuholen, um den Wert zu heben. Wenn sich hingegen ein Bieterkampf entwickelt, lässt sich möglicherweise der Preis nach oben treiben und gleichzeitig eine schnelle Runde realisieren, so etwas habe ich allerdings (vor allem im early stage Bereich) noch nicht oft erlebt.

    Investoren wollen schnell unterschreiben, wenn die Konditionen gut sind (ergo schlechter für die Gründer). Daher war die Nachfrage sicherlich angebracht. Hinzu kommt, wie im beschriebenen Fall, oftmals auch eine Ablehnung gegenüber langen Prozessen und Bürokratie. Das finde ich persönlich sehr angenehm und gerade in der Seedphase vernünftig. Wenn die Firma sich schon etwas weiter entwickelt hat, kommt es für die Investoren allerdings auf andere Faktoren an, als vor oder kurz nach der Gründung. Die Persönlichkeit der Gründer spielt noch immer eine große Rolle, der Erfolg der Firma ist jedoch schon besser zu messen. Da sich diese Entwicklung am besten über Zeit beobachten lässt, möchten Investoren in solch einem Fall gerne ein paar Wochen oder gar Monate zuschauen, wie sich die Versprechen der Gründer halten lassen.

    Schick mir doch mal deinen Businessplan

    Das ist auch der Grund dafür, warum Investoren Gründer nach ihrem Businessplan fragen, dann aber doch ganz schnell absagen, weil die Idee oder Firmenphase noch “zu früh” sind. Das Angebot, in Kontakt zur Entwicklung zu bleiben, ist dann keine leere Phrase, sondern Teil des beschriebenen Prozesses: wenn sich alles gut entwickelt, können auch größere Investoren schnell und klar zur Zusage und dem Abschluss der Runde kommen. Das Beobachten ist dann vor den “offiziellen” Prozess gerutscht, und der Investor hat bereits eine gute Einsicht in die Firma und möglicherweise regen Kontakt zum Gründer. Hier kommt es oft zu Missverständnissen auf beiden Seiten: Gründer verstehen die Nachfrage als leere Geste (“der hat meinen Plan noch nicht mal gelesen”) und melden sich nicht mehr zum Fortschritt, Investoren sind auf vielen Fronten beschäftigt und kommunizieren dieses Vorgehen manchmal nicht ganz klar.

    Gründer vs. VCs? Nein.

    Zum Glück sind Gründer und Investoren oftmals Early Adopter und an der vordersten Grenze neuer Entwicklungen unterwegs. Im konkreten Fall bedeutet das, das sowohl Gründer als auch die Venture Capitalists Ihre Meinung oft und gerne in all den schönen neuen Medien zum besten geben. So wird die “Black Box” VC ein wenig entschärft und beide Seiten können sich klarer verständigen und die jeweiligen Gedankengänge verstehen. Da ich nicht der erste bin, der diese Debatte anstößt, hier eine kurze Übersicht zu Blogs und Artikeln, die Gründern eine bessere Einsicht ins Thema gewähren:

    • Fred Wilson: unter aVC.com bloggt Fred Wilson sehr viel und sehr offen über seine Tätigkeit als VC bei Union Square Ventures (Investments z.B. in Tumblr und Twitter und wirklich allen heißen Social Media Themen). Das meistgelesene und ehrlichste VC-Blog, das vielen anderen als Vorbild dient.
    • Fred Destin: der europäische Fred, der für Atlas Venture in Boston investiert. Seine Beiträge sind seltener, dafür sehr viel tiefgängiger, sein letzter Post über die momentane Situation der VC-Szene ist absolut lesenswert. Destin hatte vor einiger Zeit eine ausführliche Auseinandersetzung zum Thema Gründer gegen VCs auf Techcrunch diskutiert.
    • Ask The VC wird von Brad Feld und Jason Meldelson geschrieben (Brad Feld’s Blog ist auch empfehlenswert). Beide haben die Foundry Group gegründet, ein VC-Fonds, der eine interessante Investmentthese hat. Wie der Name verrät, werden bei Ask The VC Fragen zu Venture Capital und Startups beantwortet.
    • Paul Jozefak bloggt sehr offen und ohne Umschweife über seine Investmentthesen und generelle Fragen zu Startups. Empfehlenswert, da einer der wenigen wirklich aktiv bloggenden VCs in Deutschland.
    • Venture Hacks hat “good advice for startups”. Nuff said.
    • Rechtliche Hinweise in Deutschland haben zum Beispiel mein Kollege Christian Musfeldt (VC Recht für beide Seiten) und Rechtsanwalt Konstantin Ewald (Spielerecht) von Osborne Clarke. Beide noch recht frisch, aber beide mit hochinteressanten Themen, die noch viele Möglichkeiten zum Verständnis bieten. Leser motivieren zum Schreiben, also beide abonnieren!

    EDIT: Zu diesem Thema hat mich meine Ex-Kollegin Jana (am Lehrstuhl für Entrepreneurship und Technologie-Kommerzialisierung) motiviert, die auf den Artikel “why VCs are such a bad date” hingewiesen hat. Danke dafür.

    Stefan Voskoetter hat auch noch auf das wundervolle Blog “Both sides of the table” von Mark Suster hingewiesen. In der Seitenleist findet Ihr noch weitere interessante Blogs, die sich mit den Themen VC und Tech beschäftigen.

  • Plattenspieler aus Holz

    Auf meinem tumblr beschreibe ich mein Projekt, meine 1210er mit einem Holzgehäuse auszustatten. Ziemlich ambitioniertes Projekt, wie ich heute herausgefunden habe. Mal sehen, was daraus wird.

  • Persönliches SEO für nicht-Nerds

    Durch Zufall ist mir bei einigen meiner Freunde und Kollegen die recht schlechte Auffindbarkeit in Google aufgefallen. Das muss nicht so sein, denn Optimierung ist eigentlich recht einfach und hat eigentlich nur Vorteile. Im Falle der meisten findet sich bei einer einfachen Google-Suche ein Xing- oder Facebook-Profil. Das ist eigentlich schon mal ganz gut, denn so kann der Suchende zumindest einiges über die Person erfahren, über die er sich informieren möchte. Auf Netzwertig gab es vor einigen Monaten einen ganz guten (wenn auch ein wenig philosophischen) Artikel über das für und wieder des Self-Marketings. Fazit meinerseits ist: Wenn man beeinflussen kann, was gefunden wird, sollte man es auch tun.

    Ich selbst habe offensichtlich eine recht entspannte Einstellung zu dem Thema, so sind neben meinen eher professionellen Äusserungen auf diesem Blog auch jede Menge Infos zu meinem restlichen Leben zu finden. Ich erwarte von niemandem, dass er ein Blog oder ähnliches anfängt (auch wenn das durchaus Vorteile hat). Was ich allerdings empfehlen kann, sind die folgenden Schritte, um seinen eigenen Namen ein wenig “aufzuräumen”. So kann man nicht verwechselt werden, der eigene Name kann nicht von jemand anderem gekidnappt werden und man ist sich sicher, was andere im Web über Einen finden.

    Tipps für Selbst-SEO:

    1. Den eigenen Namen googlen und feststellen, wo man überall verlinkt ist – so bekommt man natürlich schon mal ein gutes Bild.
    2. Sämtliche Online-Profile, die auf der ersten Ergebnisseite zu finden sind, sollte man entweder schick machen oder löschen. In Xing würde ich eine ordentliche Beschreibung empfehlen, hier kann man auch verschiedene sichtbarkeits-Stufen für nicht-Mitglieder einstellen. Das gleiche gilt für Facebook und Linkedin.
    3. Wenn Twitter, Flickr oder ähnliche social Media Profile auftauchen, sollte man sich im klaren darüber sein, dass sie gefunden werden und dementsprechend veröffentlichen. Ich denke, dass bei diesen Diensten klar ist, dass sie privat geführt werden, man braucht sich also nichts abzubrechen.
    4. Wenn man ein eigenes Blog hat, kann man sich super zu den eigenen Hobbies oder Expertenthemen äußern. Oftmals macht man damit mehr her, als mit einem Bewerbungsschreiben oder Lebenslauf. Bloggen ist aber zeitaufwendig, vor allem muss man immer dran bleiben. Das ist nicht für jeden etwas – einfacher geht es zum Beispiel mit Posterous oder Tumblr, auf denen man per E-Mail einfach posten kann.
    5. Eine eigene Domain kann man schnell beim Hoster reservieren, oft kriegt man dort eine einfach Online Visitenkarte dazu. Wenn man kein Blog schreiben möchte, kann man zumindest auf seine anderen Profile verweisen. Und: wer sich heute nicht seine eigene Domain reserviert, wird sich in eineigen Monaten oder Jahren garantiert darüber ärgern.
    6. Man kann sich auch sein Google-Profil anlegen, das wird gut gefunden und erlaube eine eigene Darstellung. Genauso wie bei Domains gilt auch hier, dass man den eigenen Namen gerne früh reserviert. Sonst ist man halt PhilippM1983 oder ähnliches.

    Wer das alles blöd findet, wird halt weiter bei Xing, auf Firmenwebsites, oder bei Teilnehmerlisten des Pokerturniers an der Eckkneipe gefunden. Ob man will oder nicht, der eigene Name wir früher oder später an vielen Stellen im Web auftauchen. Wenn man sich früh darum kümmert, kann man das recht gut kontrollieren.

    Achja, wenn man Christian Meier oder Klaus Müller heißt, kann man sich das wohl sparen. Oder man braucht einen echten SEO-Experten.

  • Some thoughts on London

    Weirdly enough, I’ve never been to London in my life (apart from a trip with the scouts when i was about 12). We spent a great long weekend here, some things I want to get rid of (in no particular order):
    • Of the citites I’ve been to and lived in, Buenos Aires comes closest. This is probably because of transit, friendly people, amounts of people and the number of old and beautiful buildings. New York is of course also close, but, well, it’s New York.
    • People were incredibly great and friendly, everybody from door man to business man showing us the way. Amazing.
    • I love pubs and pub food, but I knew that before. Also, dark ales and IPAs are much better beers than most Germans will admit to.
    • Rain is an issue.
    • Dalston/Shoreditch are a great place for shopping and general hipstery. Broadway market and Nike’s 1948 were my highlights.
    • Big cities make you want to defeat them. There’s always a feeling of a challenge of me against the town. I love it.
    • Fashion and design students have a really hard time. BUT they (at least in the case of my best friend studying at the Royal College of Arts) also have awesome facilities, community and possibilities. I am really jealous of the whole making and crafting they get to do. I only have my basement for that…
    • Comparing infrastructure, higher taxes have some benefits.
    • I will come back, i love this town.
  • Der Karneval in Köln

    Kai hat es auf den Punkt gebracht, der Kölner an sich ist wirklich Konsequent:

    Es ist schlicht und einfach unmöglich. Und irgendwie liebe ich die Konsequenz der Kölner, selbst bei minus X Grad zu abartiger Musik zu schunkeln, zu grölen und sich getrost auf den Komplettausfall in den nächsten Tagen einzulassen.

    via Karneval in Köln – StyleSpion.

    Man kann Karneval auch nur sehr schwer erklären oder gar einen Sinn an-argumentieren. Wenn man die Selbstverständlichkeit sieht, mit der hier in Köln auf einmal alle total bescheuert aussehen, muss man sich einfach freuen.

    Es gibt tolle Erlebnisse: der Blick einer französischen Dame im ICE, der im Hauptbahnhof an einer Horde Kühe vorbei fuhr, war unbezahlbar. Noch besser war der Besuch von 3 Freunden aus den USA, die sich 4 Tage lang ohne Wenn und Aber ins Getümmel geschmissen haben. Ich hatte versucht, ihnen das alles vorher zu erklären, aber so richtig geglaubt haben sie es mir nicht – bis sie angekommen sind. Die Jungs waren geborene Jecken.

    Ich war übrigens dieses Jahr Spongebob.

  • Open Data und was man damit anfangen kann

    So, after nearly a year in the Open Data trenches, I have some advice for those starting or involved in open data projects. First, figure out what you want the world to look like and why. It might be a lack of corruption, it might be a better society for citizens, it might be economic gain. Whatever your goal, you’ll be better able to decide what to work on and learn from your experiences if you know what you’re trying to accomplish. Second, build your project around users. In my time working with the politicians and civil servants, I’ve realised that success breeds success: the best way to convince them to open data is to show an open data project that’s useful to real people. Not a catalogue or similar tool aimed at insiders, but something that’s making citizens, voters, constituents happy. Then they’ll get it.

    via Rethinking Open Data – O’Reilly Radar.

    Offen und free hört sich für alle Beteiligten immer gut an. Man zeigt sich modern, sozial und teilt, was man hat. Das ist aber nicht immer gut so, denn auch bei (den hier angesprochenen) Open Data Initiativen gilt es, das eigene Ziel erst einmal zu verstehen, bevor es angepeilt wird.

    Sehr guter Artikel zu den Problemen und Möglichkeiten der Versuche, Datenmassen der Gesellschaft zu Gute zu veröffentlichen.

  • All die neuen Sachen

    Google Buzz – ja, ich finds super. Ganz ehrlich, wenn ich die folgenden Services in der Schublade hätte, was würde ich dann wohl machen:

    • Google Maps mit  Latitude (Location tracking), Businesses (Gelbe Seiten), einer super Webapplikation für mobile Endgeräte
    • Google Mail mit Kontakten, Kontaktfrequenz und Gruppen
    • Google Wave mit live-Posts, Pubsubbhubb (einem direkt-Nachrichten-Protokoll) und Antwort-basierter Kommunikation
    • Google Reader mit Likes, Kommentaren und persönlichen Streams (shared items)
    • Youtube und Picasa mit Favoriten und eigenen Medien
    • Jaiku und andere (vorerst eingestellte) Services

    Ja, ich würde etwas erfinden, um all diese Services zusammen zu bringen. Buzz macht genau das und zeigt die Möglichkeiten auf, die eine solche Fülle von Services beinhaltet. Ob nun jeder Nutzer diese Funktionen direkt in seiner Inbox präsent haben sollte, ist eine andere Frage (Spiegel Online denkt, dass dem nicht so sei, soviel ist sicher).

    Ich denke, dass hier einfach mal wieder gezeigt wurde, was in einer Firma, die Innovation und neue Technologien nach ganz vorne stellt, alles möglich ist. Die vielen Entwickler und Wissenschaftler, die bei Google an der neusten Idee arbeiten, wollen sich nicht vorwerfen lassen, sie hätten das soziale Web verpennt oder würden nur noch als Datenkrake arbeiten (Spiegel Online denkt, dass dem nicht so sei, soviel ist sicher).

    Wie viel davon kleben bleibt und wie sich das ganze in Zukunft weiter entwickeln wird, sollte sich relativ schnell zeigen. Jedenfalls sollte das Autocorrect-Feature in Blogsoftware und Kommentarfeldern jegliches “-Killer” Argument dick rot unterstreichen. Weder einzelne Services wie Twitter noch ganze Plattformen wie Facebook werden mit einer solchen Applikation getötet. Google hat bei Buzz wieder einmal sehr stark auf offene Formate und Standards gesetzt, um die Weiterentwicklung und Öffnung zu anderen Diensten so einfach wie möglich zu gestalten (Spiegel Online denkt, dass dem nicht so sei, soviel ist sicher. Auch, wenn es bei diesem Punkt eigentlich kaum Diskussion geben kann).

    Fazit: Technologie-Journalismus ist nicht ganz einfach, wenn man nicht alle Hintergründe kennt. Und alle anderen brauchen nicht vor Schreck aus dem Fenster zu springen, sondern sollten sich anstrengen, mit den neuen Möglichkeiten zu arbeiten.